Deutsche Post im Club der Ausbeuter

Auch nach dem Ende des Lockdowns hat die Corona-Krise Deutschland fest im Griff. Unternehmen aller Branchen müssen mit den veränderten Bedingungen arbeiten und ihr Überleben in der schwersten Wirtschaftskrise seit Ende des 2. Weltkriegs sichern. Anfang Juli 2020 hat die Deutsche Post Teile ihrer Systempartner angeschrieben und eine Preissenkung für den Monat Juli gefordert. Sowohl die Preissenkungen selbst als auch die Art und Weise der Formulierungen erscheint dabei in hohem Maß fragwürdig. Dieser Beitrag nimmt das Anschreiben kritisch unter die Lupe.

Die Deutsche Post will mit Druck Preissenkungen bei Subunternehmern erzwingen

Unternehmen, die als Systempartner mit der Deutschen Post zusammenarbeiten, sehen sich aktuell ebenfalls in einer neuen Situation. Denn die ehemalige Sicherheit der Partnerschaft scheint es in dieser Form nicht mehr zu geben. Ein Anfang Juli 2020 erschienenes Anschreiben an Teile der Systempartner der Deutschen Post zeigt, dass dieses Unternehmen Gewinnmaximierung im bisher für dieses Unternehmen sehr positiv verlaufenden Jahr noch vor Solidarität mit seinen Systempartnern stellt.

Dass ein staatlich gefördertes, zudem systemrelevantes Unternehmen wie die Deutsche Post keineswegs dazu beträgt, diese Krisensituation zu entschärfen, ist höchst verwunderlich. Welche Formulierungen jedoch den Systempartnern gegenüber verwendet werden, empört in hohem Maß.

Formulierungen, die bewusst unter Druck setzen

Langjährige Geschäftspartnerschaften verpflichten, das gilt auch für die Deutsche Post. Der Hinweis im Anschreiben, dass sich gerade aktuell viele neue Transportunternehmen bewerben, baut ganz bewusst hohen Druck bei den bestehenden Systempartnern auf und weist auf deren schnelle Austauschbarkeit hin.

Formulierungen, wir „Um Ihnen die Chance zu geben…“ erzeugen eine regelrechte Drohkulisse. Die wird noch verstärkt durch das direkte Ansprechen des veränderten Preiswettbewerbs und dem deswegen in Frage gestellten Fortsetzen der Systempartnerschaft. Auch die Behauptung, den Systempartnern gegenüber bisher eine besonders kulante Berechnung umgesetzt zu haben ist druckerzeugend. Hier wird mit bereits vermeintlich erhaltenen Vorteilen argumentiert, die nun wiederum zu einer Akzeptanz der veränderten Preisberechnung führen sollen.

Geht so Solidarität?

Solidarität muss immer in beide Richtungen wirken, damit es Gerechtigkeit geben kann. Die Forderungen nach Preisreduzierung, welche die Deutsche Post in ihrem Anschreiben so eindrucksvoll vorrechnet, sind alles andere als solidarisch, sondern bedeuten für bereits sowieso in die Krise geratene Unternehmen einen schweren Schlag. Langjährige Systempartner sehen sich mit großen Forderungen konfrontiert, erhalten aber ihrerseits keinerlei Zusage über ein Fortbestehen der Geschäftspartnerschaft. Ganz im Gegenteil wird die schnelle Ersetzbarkeit von Systempartnern noch betont!

Widersprüche in der Darstellung

Nicht nur das einseitige Einfordern von Solidarität in dieser besonderen Situation bestürzt. Die im Anschreiben beschriebene Krisensituation scheint für die Deutsche Post alles andere als gravierende Folgen zu haben. Der Preisrückgang bei Diesel mag Fakt sein, dem Gewinn der Deutschen Post hat dies jedoch keinen Abbruch getan. Das Gegenteil ist der Fall: Weil die Deutsche Post einen elementaren Beitrag zur Krisenbewältigung leistet steigerte sich der Konzernumsatz im ersten Quartal 2020 laut Unternehmenswebseite um satte 0,9 Prozent. Noch stärker sind die Zahlen der Deutschen Post für das zweite Quartal. Mit einer Gewinnsteigerung von 16 Prozent auf 890 Millionen Euro hat das Unternehmen ganz klar aus der hohen Nachfrage des Online-Handels profitiert und gehört zu den Krisengewinnern.

Für diese positive Entwicklung belohnt das Unternehmen wiederum seine Mitarbeiter auf der ganzen Welt mit einer einmaligen Bonuszahlung von 300 Euro. Es stößt schon unangenehm auf, dass die Deutsche Post zwar ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen möchte, die Subunternehmer jedoch im Gegenzug zur Kasse bittet. Das Reduzieren des Tourenpreises erscheint vor diesem Hintergrund eher als Maßnahme, den Bonus der Mitarbeiter zu bezahlen – und den sowieso schon steigenden Gewinn noch weiter zu maximieren. Die ach so positive Darstellung der Deutschen Post nach außen bekommt dadurch einen deutlichen Knick.

Schwerer Schlag für bedrohte Firmen

Für Unternehmen, die in der aktuellen, längst nicht überstandenen Krise mit Auftragseinbrüchen zu kämpfen haben, ist ein Anschreiben wie dieses ein weiterer Schlag vor den Bug. Neben den ganz realen Verlusten, welche sich aus dem verminderten Tourenpreis ergeben, empört vor allem die einseitig eingeforderte Solidarität. Krisen wie die aktuelle lassen sich nur mit vereinten Kräften bewältigen. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit es von Seite der Deutschen Post ein seriöses Geschäftsgebaren ist, wirtschaftliche Ziele durch offensichtliche Druckausübung erreichen zu wollen. Von einem Unternehmen mit Staatsbeteiligung versprechen sich Systempartner einen solidarischeren Umgang, gerade in Krisenzeiten.

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